Das 3. Iftar - Fest in Kiel eine schönes Erlebnis

Am 03.06. und 04.06.2017 fand das 3. Iftar-Fest in Kiel statt. Ungefähr 1600 Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner haben daran teilgenommen. Muslime wie auch Nicht-Muslime, Nachbarn und Freunde, sowie Neuzugewanderte haben an den zwei Tagen im Fastenmonat Ramadan im Hiroshimapark Kiel das Iftarmahl begangen.

Der Staatssekretär vom Ministerium für Justiz Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein Dr. Eberhard Schmidt-Elsaeßer und der Stadtpräsident der Landeshauptstadt Kiel Herr Hans-Werner Tovar haben Grußworte im Namen des Landes Schleswig-Holstein und der Landeshauptstadt Kiel an die Teilnehmer gerichtet.

Frau Prof. Dr. Riem Spielhaus hat einen Vortrag mit dem Titel „Herausforderungen des Islam und die Anerkennung des Islams“ vorgetragen. Hier hat sie neben der Vielfalt der Muslime in Deutschland einen Ausblick auf die Möglichkeiten für die Integration des Islams als neue Religion in Deutschland geworfen.

Das Programm wurde begleitet von Künstlern aus verschiedenen Regionen. Ein Höhepunkt war das Konzert einer Nasheedgruppe (Lobgesangsgruppe) aus Rendsburg, welche zusammengestellt war mit Neuzugewanderten Fluchtmigranten aus Syrien und Gemeindemitglieder vom Islamischen Zentrum Rendsburg.

Es gab einen Charitiy-Stand vom Islamischen Zentrum Assalam, welche für den Umbau ihres neuerworbenen Gebäudes in Kiel Garden Tee, Kaffee und Süßes verkauft haben.

Neben einem Info-Zelt zum Islamischen Leben in Schleswig-Holstein, gab es Zelte in denen sich Vereine vorgestellt haben. Darunter waren der neugegründete Syrische Verein für Kiel und Umgebung e.V., der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein e.V. und Der Verein Kultur-Grenzenlos e.V.

„Das Fest war ein voller Erfolg, auch wenn es nur an zwei Tagen stattgefunden hat, haben wir den Musliminnen in Schleswig-Holstein und vor allem in Kiel zum Ramadan ein Event ermöglicht, welches identitätsstiftend ist. Als Religionsgemeinschaft sind wir bemüht uns für die Belange der Muslime einzusetzen und ihnen das Leben in Schleswig-Holstein zu verbessern. Wir freuen uns auf das nächste Fest und werden jeden Sommer im Ramadan solch ein Iftar-Fest anbieten. Feste solcher Art sind wichtige Erlebnisse für die Menschen“, so Fatih Mutlu, Vorsitzender der SCHURA Schleswig-Holstein e.V.

Im Folgenden die Eröffnungsrede des Vorsitzenden zum Iftar-Fest 2017

„Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Gäste

ich freue mich sehr, dass im Namen der Landesregierung vom Ministerium für Justiz Kultur und Europa der Herr Staatssekretär Dr. Schmidt-Elsaeßer auch hier ist, herzlich Willkommen!

Ebenso freue ich mich, den ehrenwerten Stadtpräsidenten der Landeshauptstadt Kiel, Herrn Hans-Werner Tovar hier begrüßen zu dürfen, der, das lassen sie mich bitte kurz erwähnen, zum ersten Iftar Fest im Jahre 2015, sich bereit erklärt hatte, die Schirmherrschaft zu übernehmen. Vielen Dank dafür.

Vielen Dank auch an Frau Prof. Dr. Riem Spielhaus, sie hat den weiten Weg aus Göttingen auf sich genommen und wird heute einen Vortrag halten, auf den sicherlich nicht nur ich gespannt bin. Nennen möchte ich unbedingt auch meinen: Botschafterkollegen der Leitlinie der Flüchtlingskonferenz „Integration geht uns alle an“, dem Vorsitzenden vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein, Herr Günter Ernst-Basten, der dieses Fest mit einem Infostand seines Verbandes bereichert.

Liebe Vorstände unserer Mitgliedergemeinden aus ganz Schleswig-Holstein, liebe Freunde, Nachbarn und Verwandte, ich freue mich sehr Sie alle im Namen der Islamischen Religionsgemeinschaft Schleswig-Holstein zum 3. Iftar Fest im Hiroshimapark willkommen zu heißen. Es freut mich, dass wir auch in diesem Jahr haben wir dieses Fest veranstalten können. Das wäre allerdings nicht möglich gewesen, wenn sich nicht unsere Mitgliedergemeinden aus Kiel und Umgebung mit dafür eingesetzt hätten und uns ihre Unterstützung gewährleisten.

Liebe Gäste als Muslime in Schleswig-Holstein ist es uns wichtig einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Wir haben uns bei der letzten Wahl für eine höhere Wahlbeteiligung seitens der Muslime eingesetzt und verschiedene Wahlaufrufe und Wahlinfoveranstaltungen angeboten. Wir konnten vernehmen, dass die Wahlbeteiligung der Muslime in Schleswig-Holstein höher war als sonst. Viele Muslime haben bei diesen Wahlen das erste Mal ihr Wahlrecht in Anspruch genommen. Politische Teilhabe ist uns sehr wichtig.

Ich möchte den Parteien zum Einzug in den Landtag gratulieren. Sicherlich wird es in der neuen Konstellation nicht einfach, allerdings glauben wir fest daran, dass sich die demokratischen Parteien für die Vielfalt unseres Landes einsetzen werden und die Vernunft gegenüber Vorurteilen siegen wird.

Verehrte Damen und Herren, die allgemeine Erwartung der Muslime ist es, nicht als ein Fremdkörper wahrgenommen zu werden sondern als ein gleichberechtigter Teil dieser Gesellschaft. Nun fragt man natürlich inwiefern das denn nicht gegeben ist? Das Grundgesetz ermöglicht uns dies, nur ist es in der Realität leider noch nicht ganz möglich. In einigen Bereichen gibt es erhebliche Einschränkungen für Muslime. Dazu gehören die Anerkennung des Islams als eine Religionsgemeinschaft, die in einem Staatsvertrag rechtlich geregelt ist, wie die anderen Religionsgemeinschaften, die Implementierung eines bekenntnisorientierte Religionsunterrichtes, Dazu gehören auch die Einrichtung und Erhaltung muslimischer Friedhöfe ebenso wie muslimische Bildungseinrichtungen.

Bereits vor der letzten Landtagswahlen hieß es, dass die Muslime einen Staatsvertrag bekommen sollen. Dies wurde weder in den Koalitionsgesprächen zum Thema gemacht, noch in Verhandlungen ernsthaft angepackt. Es war leider nur ein Wahlversprechen ohne Wertgehalt. Wir haben der Landesregierung unsere Vorstellung dafür in verschiedenen Treffen mitgeteilt und vergebens um Verhandlungen in diese Richtung gebeten. Nun wolle man sich ohne einen Vertrag für die gesellschaftliche Belange der Muslime kümmern. Die CDU hat in ihrem Wahlkampf nun das Versprechen gegeben sich für einen Staatsvertrag mit Muslimen einzusetzen. Daher verfolgen wir gespannt die Koalitionsverhandlungen und hoffen, dass wir in dieser Legislaturperiode einen Schritt weiter kommen.

Um dieses zu erreichen sind wir als Muslime gefragt uns zu organisieren und als Interessenvereinigung uns der Landesregierung als Religionsgemeinschaft anzubieten. Dies haben wir im Verbund der SCHURA, sowie dem runden Tisch mit der VIKZ und der DITIB-Nord bereits getan und decken über 95% aller Muslime in Schleswig-Holstein ab. Als Dreiergespann arbeiten wir in verschiedenen Bereichen und setzen viel Wert auf interkulturellen Austausch und interreligiösen Dialog.

Liebe Gäste, die Moscheegemeinden versuchen neben der Erhaltung des Moscheebetriebes sich in der Gesellschaft mit einzubringen. Sicherlich fehlen hier Mittel und Möglichkeiten dies noch intensiver zu bewältigen. Wir arbeiten bereits an Handlungsstrategien, um die Gemeinden weiterzuentwickeln und das Ehrenamt zu fördern, sowie zu professionalisieren. Unsere Moscheen sind offen für jeder Mann und jede Frau. Hier können sich auch Nicht-Muslime informieren und in den Austausch mit Muslimen gehen

Die hauptsächliche Arbeit der Moscheen sind vor allem religiöse Unterweisungen, gleichzeitig haben sie sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr geöffnet. Auch Muslime haben mit Ihren Moscheen eine Verantwortung gegenüber Ihren Nachbarn und Freunden.

Leider werden in Namen von Religionen Ungerechtigkeiten und feige Kriege geführt. Die Menschen lernen weder aus der Geschichte noch von Ihren Fehlern. Als aufgeklärte Menschen, die in einer freiheitlichen Demokratie leben ist es unsere Aufgaben sich mit Bildung und unvoreingenommen für eine bessere Gesellschaft einzusetzen. Für eine Gesellschaft in der Extremisten und Radikale keinen Platz haben. Wir dürfen Populisten nicht das Ruder überlassen, wir müssen gemeinsam gegen bösartiges Gedankengut angehen. Integration liebe Freunde, Integration geht uns alle an.

Wir nutzen den Ramadan und das Iftar-Fest, um in den direkten Kontakt mit der Mehrheitsgesellschaft zu kommen. Wir möchten nicht mit den Extremisten in einem Topf geworfen werden. Daher zeigen wir unsere Solidarität mit den demokratischen Parteien, unseren Partnern, sowie Vereinen und Initiativen.

Bevor ich meine Worte beende möchte ich noch ein zwei Takte zum Ramadan sagen. Der Ramadan gilt als die Krönung aller Monate und bringt Licht in die Dunkelheit. Im Ramadan besinnen wir Muslime uns unserer Religion, der Nähe zu Gott und der Nächstenliebe. Wir lernen durch den Verzicht auf Lebensmittel die Umwelt und das Leben besser wahrzunehmen. Gleichzeitig erziehen wir unser Selbst in dem wir uns von allem Schlechten fernhalten, vor allem dem schlechten Gerede und schlechten Taten. Wir spenden in diesem Monat auch an Bedürftige, die sich nicht allabendlich an einen reich gedeckten Tisch setzen können und versuchen ihre Not etwas zu erleichtern. In den Moscheen werden tägliche Iftaressen für Flüchtlinge und Studenten gegeben. Zunennen sind hier vor allem die Centrum Moschee Kiel und das Islamische Zentrum in Rendsburg. Der Ramadan endet mit dem Ramadanfest, welches fälschlicher Weise als Zuckerfest bezeichnet wird. Die Entstehung dieses Begriffes kommt aus dem Türkischen, wo man aufgrund der Bonbons und der Süßspeisen zum Ramadanfest, vor allem für die Kinder diesen Begriff eingeführt hat. Dieses wurde einfach ins Deutsche übersetzt. Neben den Bonbons werden z.B. auch ein größeres Taschengeld oder auch besondere Geschenke an die Kinder gemacht. Das Fest zum Ende des Ramadan, ist das Fest der Gemeinschaft, das Fest des Ramadan. Daher bete ich zu Gott, möge er allen Muslimen den schweren Ramadan im Sommer erleichtern und uns gesund das Ramadanfest erreichen lassen.

Vielen Dank für Ihr Kommen, viel Spaß heute und Morgen, Danke für Ihre Teilnahme und wenn es soweit ist einen guten Appetit. Selamun Aleykum, Friede sei mit Ihnen!“

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