Internationale Wochen gegen Rassismus in Lübeck

Zusammen mit der Islamischen Gemeinde Lübeck hat am Sonntag den 19.03.2017 im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus (IWgR) ein Nachbarschaftsgrillfest mit einem Bildungsprogramm stattgefunden. Die Fatih Moschee hat in ihre neuen Räumlichkeiten eingeladen gehabt. Nachdem Vertreter der Moschee und Frau Pröbstin Petra Kallies vom Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg Grußworte an die Gäste gerichtet haben, gab es einen islamische-theologischen Beitrag zum Thema Rassimus. Der Hauptvortrag lautete „Rassismus heute“. Schwerpunkt war die Sensibilisierung auf das Thema. Es wurde auf versteckten, offenen und unbewussten Rassismus hingewiesen und das sogannte „racing-profiling“ innerhalb des institutionellen Rassismus erklärt. Der Kultur- und Sozialanthropologe Ibrahim Yazici hat in seinem Vortrag auf die Folgen der verschiedenen Arten von Rassismen aufmerksam gemacht und für mehr Dialog zu einer besseren Integration geworben. „In der Regel haben Menschen Vorurteile über bestimmte kulturelle Gruppen, weil sie kaum bis keine Kontakte zu diesen Menschen haben und sie aufgrund negativer Beeinflussung diskriminierend handeln und rassistische Stellungen einnehmen. Hass ist die Quelle von Rassismus und wir müssen uns alle für eine bessere Lebensqualität einsetzen, um eine noch bessere Gesellschaft zu ermöglichen“, so der Forscher. Beendet wurde die Veranstaltung mit einem Friedensgebet für Menschenwürde und gegen Rassismus.

Im Anschluss gab es ein Buffet und die Teilnehmer konnten ins Gespräch kommen. Unter den Gästen waren auch politische und religiöse Vertreter der Stadt Lübeck. Zum Abklingen des Besuchs wurde eine Moscheeführung angeboten.

Am 26.03.2017 veranstaltet die Islamische Jugend Rendsburg ein Fußballturnier gegen Rassismus, hier nehmen unter anderem muslimische Jugendgruppen aus ganz Norddeutschland teil.

Außerdem finden von der Allianz für Weltoffenheit in Schleswig-Holstein regionale Treffen der Kampagne „Aufstehen gegen Rassismus Schleswig-Holstein“ statt

Samstag 25.03.2017

Husum, Speicher, Hafenstraße 17, 10:00 - 12:00 Uhr

Rendsburg, Schiffbrückenplatz 3, IG Metall, 11:00 - 13:00 Uhr

Elmshorn, Jahnstraße 2a, Reinhold-Jürgensen-Zentrum, 11:00 - 13:00 Uhr

Ratzeburg, Am Markt 7, Petri-Forum, 11:00 - 13:00 Uhr

 

 

EuGH Entscheidung über religiöse Symbole am Arbeitsplatz

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat sich gegen die freie religiöse Entfaltung am Arbeitsplatz entschieden. Es wurde im Urteil ein Verbot für religiöse Zeichen in Unternehmen erlaubt, wenn es für alle hinsichtlich religiöser Kleidung und Symbole gleichbehandelt wird. Mit diesem Urteil wird es vor allem für Musliminnen schwieriger am Arbeitsplatz ihren religiösen Verpflichtungen wie zum Beispiel das Tragen eines muslimischen Kopftuchs nachzugehen.  „Ohne hier auf theologische Fragestellungen einzugehen, sehe ich eine Gefahr der Meinungs- und Religionsfreiheit“, so Fatih Mutlu Vorsitzender der SCHURA – Islamische Religionsgemeinschaft Schleswig-Holstein.  Weiter sagt er: „Als Religionsgemeinschaft ist es wichtig für uns Religiosität im Alltag als Normalität zu verhandeln und nicht als etwas befremdend oder gar verbotenes.“

Der EuGH erklärte in seiner Urteilsfindung, dass der „Wille des Arbeitgebers“ den Kundenwünschen entsprechen könne, aber  "nicht als eine wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung" im Sinne des EU-Rechts angesehen werden darf.  

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es in vielen Bundesländern ein Verbot für das Tragen von muslimischen Kopftüchern bei  Lehrkräften.  Im Januar 2015 urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass ein pauschales Verbot für das Kopftuch in Schulen nur dann gerechtfertigt sei, wenn dadurch eine "hinreichende konkrete Gefahr" für den Schulfrieden in Bedrohung stehe.

Kirchliche Arbeitgeber haben in Deutschland eine Sonderregelung. Bei ihnen dürfen Arbeitnehmer*innen das Tragen von Symbolen anderer Religionen verboten werden. Ein Verbot für das Tragen von einem muslimischen in einem christlichen Krankenhaus ist somit nach dem kirchlichen Arbeitsrecht zulässig.

„Für uns ist dieses Urteil insofern relevant“, so Herr Mutlu, „dass nun innerhalb einer interreligiösen Gesellschaft dem Gleichbehandlungsprinzip im Urteil der Richter nachgegangen werden muss und unsere multikulturelle Gesellschaft vor einer neuen Bewährungsprobe steht.“

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