Veranstaltungen

Opferfestempfang im Landtag Schleswig-Holstein

Am 09.10.2014 wurde der Festempfang anlässlich des Eid-Al Adha erstmalig im Schleswig-Holsteinischen Landtag gefeiert. Hierfür öffnete der Landtagspräsident gerne seine Türen und kooperierte mit der Islamischen Religionsgemeinschaft Schleswig-Holstein. „Liebe Gäste, alle drei monotheistischen Religionen kennen die Aufopferungsbereitschaft des Propheten Abraham mit seiner Liebe zu Gott. Eben dieses Bekenntnis zu Gott ist es was Juden, Christen und Muslime gemeinsam haben, der Glaube an den einen und einzigen Gott. So lassen sie uns auf unsere Gemeinsamkeiten besinnen und uns gemeinsam für ein besseres Zusammenleben in Schleswig-Holstein einsetzen.“ Dies waren die beginnenden Worte des Vorsitzenden der SCHURA SH Fatih Mutlu, welcher in seiner Rede auf die gesellschaftlichen Bedürfnisse der Muslime in Schleswig-Holstein einging. Nicht nur Religionsunterricht und eine Islamische Theologie wurden von ihm thematisiert, sondern auch die Pflege und der Schutz von Gotteshäusern, die Nutzung des RAL-Helal Gütezeichens, sowie islamische Friedhöfe und eine Idee von islamischer Seelsorge waren Inhalt seines Grußwortes. Nicht zuletzt lehnte Herr Mutlu die terroristischen Vorgänge im Nahen Osten ab und verurteilte sie auf schärfste.

Der Landtagspräsident Schlie bekräftigte, wie auch danach Herr Mutlu die Wichtigkeit solch ein Empfang im Landtag durchzuführen. Herr Schlie gab zu bedauern, dass es Anschläge auf Gotteshäuser gibt und sprach den Religionsgemeinschaften sein Mitleid aus. Gleichzeitig dankte er den Muslimen in Schleswig-Holstein für ihr gesellschaftliches Engagement und gab mit Nachdruck zu erklären, dass es bereits reif wäre einen Staatsvertrag mit Muslimen in Schleswig-Holstein durchzuführen. „Wir können nur dann Toleranz und Akzeptanz für religiöse Überzeugungen erreichen, wenn der Gläubige sich den Fragen oder der Kritik des Nicht- oder Anders-Gläubigen stellt“, so Herr Schlie in seiner Grußrede. Weiter sagte er das gemeinsame Begehungen von gegenseitigen Festen Bereicherungen für die Gesellschaft seien: „Das Opferfest und dieser Empfang sind so eine Bereicherung. Denn hier stehen familiäre, verwandtschaftliche, freundschaftliche nachbarschaftliche und barmherzige Begegnungen im Vordergrund - genau die Werte, die auch unsere Gesellschaft ausmachen und zusammenhalten. Und daher ist der Schleswig-Holsteinische Landtag genau der richtige Ort für diesen Empfang zum Opferfest: Er ist die Vertretung aller Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner und alle Kulturen und Religionen in unserer Lande haben auf dem Fundament unseres Grundgesetzes und unsere Landesverfassung hier einen festen Platz.“ Abschließend lobte er die Arbeit und auch die Zusammenarbeit der SCHURA Schleswig-Holstein folgendermaßen: „Ich weiß, dass ich in der SCHURA Schleswig-Holstein dabei einen starken und verlässlichen Partner an der Seite habe, der sowohl bei Muslimen als auch bei Nichtmuslimen hohes Vertrauen genießt und als Moderator zwischen den Kulturen und Religionen beispielgebende Arbeit leistet. Der heutige Empfang zum Opferfest im Schleswig-Holsteinischen Landtag ist ganz maßgeblich auch das Ergebnis dieser vertrauensvollen Zusammenarbeit.“

Die SCHURA Schleswig-Holstein stellte hier auch den neuen Bischof des Sprengels Schleswig und Holstein Herrn Bischof Gothart Magaard vor, der ebenso wie Herr Ali Kizilkaya, vom Islamrat der Bundesrepublik Deutschland Grußworte an das Publikum sprach. Beide befürworteten den Dialog und die Zusammenarbeit. Herr Kizilkaya sprach die gesellschaftlichen Probleme der Muslime in der Bundesrepublik Deutschland an und verwies, wie bereits Herr Mutlu und Herr Schlie auf die Wichtigkeit eines Staatsvertrages mit Muslimen, um die Anerkennung der Muslime in Schleswig-Holstein und der Bundesrepublik Deutschland zu sichern.

Abgerundet wurde der Abend mit einem wissenschaftlichen Beitrag von Frau Dr. Muna Tatari, Uni Paderborn. Sie ging in Ihrem Vortrag auf die Entstehung einer Islamischen Theologie in der BRD und ihren Anforderungen ein. Zusammenfassend erklärte sie: „Mit dem von Ebrahim Moosa geprägte Ausdruck des critical traditionalism kann quasi programmatisch festgehalten werden, dass sich die Entwicklung islamischer Theologie an deutschen Universitäten zum einen in eine 1400 jährige komplexe Tradition einschreibt und sich dieser verpflichtet fühlt und zugleich nach Wegen sucht, deren Inhalte den heutigen Wissenschaftsstandards entsprechend adäquat zum Ausdruck zu bringen. Eine kritische Aneignung und Fortschreibung der Tradition findet in einer Rekonstruktion bestehender Inhalte statt. In diesem Sinne kann sich die Islamische Theologie gegen die Gefahr einer Anpassungs- bzw. Liebkind-Theologie wehrhaft zeigen, indem sie sich nicht für Zwecke im Hinblick auf die Integrationsfähigkeit der Muslime instrumentalisieren lässt und zudem kann sie plausibel machen, dass sie nicht von theologischen oder politischen Übernahmephantasieren geprägt ist, sondern in ihrer Arbeit Sowohl dem Recht auf Religionsfreiheit als auch gesellschaftlicher Teilhabe Ausdruck verleiht. Zudem stellt sie In den Koordinaten einer öffentlichen Theologie der Gesellschaft ihre intellektuellen Ressourcen sowie friedensstiftenden Potenziale zur Verfügung, die einen konstruktiven Beitrag zum gesellschafft-politischen Zusammenleben bereitstellen.“

Das Programm wurde geschmückt mit musikalischen Einlagen von Cengiz-Ismail Topcu, der die orientalische Querflöte/ die Ney spielte und Kübra Böler die zum Abschluss einen poetischen Vortrag hielt.

Es waren Gäste aus der Politik, weitere kirchliche Vertreter, Vertreter der Islamischen Vereine, sowie weitere Persönlichkeiten aus der Öffentlichkeit aus und um Schleswig-Holstein anwesend.

Fachtagung Religionsunterricht in Schleswig-Holstein

Zu einer ganztägigen Fachtagung zum Religionsunterricht hatte SCHURA Schleswig-Holstein in die Räume der Kieler Universität eingeladen. Neben Mitgliedern der islamischen Gemeinden nahmen auch zahlreiche Personen aus Kirche, Universität und Religionslehrerschaft teil.

Hintergrund ist im nördlichsten Bundesland zum Einen, dass die Landesregierung aus SPD, GRÜNEN und dem SSW, der Partei der dänischen Minderheit, im Koalitionsvertrag eine Reform des schulischen Religionsunterrichtes beschlossen hat. Auch hat die Landesregierung ihr Interesse bekundet, nach Hamburger und Bremer Vorbild einen Staatsvertrag mit islamischen Religionsgemeinschaften zu schließen. Somit stellt sich die Frage nach der Etablierung eines islamischen Religionsunterrichtes an öffentlichen Schulen einschließlich der universitären Ausbildung von muslimischen Religionslehrerinnen und –lehrern.

Dass solches von den Muslimen eingefordert wird, bekräftigte SCHURA-Vorsitzender Fatih Mutlu denn auch in seinem Einführungsvortrag: Auch in Schleswig-Holstein sei die Schule religiös plural geworden mit einem mehr oder weniger großen Anteil muslimischer Schüler. Hierauf müsse gerade der Religionsunterricht reagieren. Festhalten will SCHURA aber auf jeden Fall an Artikel 7 Abs. 3 Grundgesetz als Grundlage des Religionsunterrichtes, der diesen in die Verantwortung der Religionsgemeinschaften stellt.

Frau Prof. Uta Pohl-Patalong von der evangelischen Theologie der Universität Kiel stellte den dortigen Studiengang für evangelische Religionslehrer vor und erörterte, inwieweit sich daran eine neu einzurichtende islamische Theologie orientieren könne. Zwei schon bestehende Studiengänge für islamische Theologie beschrieben Prof. Katajun Amirpur von der Universität Hamburg und M.A. Esnaf Begic von der Universität Osnabrück: Beide Institute sehen sich der Etablierung eines zeitgemäßen wissenschaftlichen Islams in Deutschland verpflichtet.

Unabhängig von einem konkreten Modell wird man auf jeden Fall muslimische Religionslehrerinnen und –lehrer im Land universitär ausbilden müssen.

Zusätzliche Informationen